DIE SIEBEN LEBEN DES MAXIMILIAN

MAXIMILIAN DER REISENDE —
EINE RESONANZ

19:30 Uhr — Schloss Landeck

Komposition, künstlerische Gesamtleitung: Carola Bauckholt
Kompositionsklasse Anton Bruckner Privatuniversität Linz: Amir Ahmadi (Iran), Ye-Leen Choi (Korea), Yoav Chorev (Israel), Jorge E. Gomez (Mexiko), Danial Moazeni (Iran), Katharina Roth (Deutschland), Victor Taboada (Mexiko), Yiran Zhao (China)
Texte: Originaltexte von Margarethe von Österreich „Complainte“, Sebastian Brant u.a.
Dramaturgie: Norbert Mladek
Dirigenten, Einstudierung: Helmut Schmid, Martin Handle

Johannes Keller (Arciorgano)
Berenike Tölle (Gesang)
Julia Schnapper (Gesang)
Anna-Maria Nunzer (Gesang)
Sabrina Praßl (Bassklarinette)
Magdalena Scheck (Zither)
Corinna Denk (Hackbrett)
Mohammad Khodadadi (Ney, Percussion)
Sarvin Hazin (Kamantshe)
Anna Possarnig und Maria Shurkhal (Tanz)
Aleksander Kaplun und Seraina Keller (Puppentheater)
Kevin Wößner (Orgelpfeifen im Turm)
Stadtmusikkapelle Landeck
Landesmusikschule Landeck:
Miriam Öttl (Violine)
Marita Delago (Cello)
Birgit Hauer (Einstudierung Blockflöten und Lotosflöten)
Martin Handle mit Trommlern
Xang6521
Schützenkompanie Landeck u.a.

Die Komponistin Carola Bauckholt wird mit ihrer Kompositionsklasse der Anton Bruckner Privatuniversität Linz Werke für das Schloss Landeck maßschneidern und zu einem Stationentheater formen.
Für „Maximilian der Reisende“ wirken neun Komponistinnen und Komponisten aus China, Deutschland, Iran, Israel, Korea und Mexiko zusammen, die alle in Österreich leben und für die Reisen und übernationales Denken normal und alltäglich sind. Das Reisen selbst wird zur Metapher für Maximilians Leben, Frauen und Familie, Sterben, Krieg und Tod. Ganz im Sinne des von Kaiser Maximilian schon zu seinen Lebzeiten initiierten „GEDÄCHTNUS“ findet dieses in einer heutigen Reflexion durch junge Künstlerinnen und Künstler in einem zeitgenössischen Musiktheater Resonanz, Ausdruck und Fortsetzung.

„Wer ime in seinem leben kain gedachtnus macht, der hat nach seinem tod kain gedächtnus und desselben menschen wird mit dem glockendon vergessen, und darumb so wird das gelt, so ich auf gedechtnus ausgib, nit verloren, aber das gelt, das erspart wird in meinem gedachtnus, das ist ein undertruckung meine kunftigen gedächtnus, und was ich in meinem leben in meiner gedächtnus nit volbring, das wird nach meinem tod weder durch dich oder ander nit erstat.“
Maximilian I.

… mich wundert, das ich so frelich bin!

Für 7 Blockflöten, 7 Lotosflöten, 5 Querflöten, 4-7 Klarinetten, Oboe, Fagott, 3 Schlagzeuger, Arciorgano und große Orgelpfeifen


Komposition: Carola Bauckholt
Künstlerin/Kostümdesign: Hannah Kindler

„Ich leb, waiss nit wie lang und stürb waiss nit wann, – muess faren, waiss nit wohin, mich wundert, das ich so frelich bin!“

Dieses Zitat ist nicht von Maximilian — aber der Spruch, so wird vermutet, war ein Lieblingsspruch von ihm.

Zu Maximilians Lebzeiten wurde das Archiorgano, eine mikrotonale Orgel mit 36 Tasten pro Oktave von Nicola Vicentino in Italien erfunden. Dieses faszinierende Instrument wurde 2016 von Johannes Keller und dem Studio31 in Basel nachgebaut. Die Bauart der Orgelpfeifen folgt dem Vorbild des Originalinstruments in der Silberne Kapelle Innsbruck.

Der Ton der Orgelpfeife, der schon Maximilian auf seinen Reisen begleitet hat, bildet den Ausgangspunkt dieser Komposition. Die Pfeife, die Flöte ist archaisch – es wurden Flöten aus Knochen in der Schwäbischen Alp gefunden, die um die 40.000 Jahre alt sein sollen. Die Luft, die durch dieses Rohr strömt, ist die gleiche, aber die Klangvorstellungen und Wünsche haben sich zwischenzeitlich geändert. Heute ist das Interesse an engsten Tonabstufungen, die damals in der Renaissance entwickelt wurden, wieder sehr aktuell. In meiner Komposition basiert dieses allerdings nicht auf harmonischen Systemen, sondern auf der Klangfarbe. Großflächig korrespondieren und bewegen sich die Pfeifentöne rund um Schloss Landeck herum und im Schloss selbst durch die Gothische Halle bis hoch unter das Dach des Turms, wo die tiefsten Holzpfeifen, die 16-Füßer, von antiken Staubsaugern angeblasen werden.



Der „Weißkunig“ mit dem schwarzen Sarg (Arbeitstitel)

Komposition: Amir A. Ahmadi
Choreographie und Tanz: Anna Possarnig und Maria Shurkhal
Kostüm: Valentina Shurkhal

Das Stück für zwei Musiker und zwei Tänzer befasst sich mit der Position des „Moriskentanzes“ und der Unterhaltungskunst in Bezug auf das Leben Kaiser Maximilians. Kaiser Maximilian soll angeblich unter schweren Depressionen gelitten haben und ab 1514 immer mit einem Sarg im Gepäck verreist sein. Daran könnten auch die ständigen Schmerzen, die durch eine alte Beinverletzung verursacht wurden, schuld gewesen sein. Außerdem lebte der Kaiser umgeben von Krieg und Tod. Vor diesem Hintergrund muss die Unterhaltung durch erheiternde Tänze und musikalische Darbietung entweder ein rettender Anker der Ablenkung oder ein Spiegel der Groteske gewesen sein.
Das Musiktheaterstück reflektiert über die Unterhaltungskultur zu Zeiten Kaiser Maximilians und die Erwartungshaltung des Publikums an ein derartiges Spektakel, unter Verwendung bekannter Elemente, wie historischer Instrumente und Kostüme, sowie der Aufführungssituation. Dies wird gebrochen durch eine Neuinterpretation der Referenzen und einer zeitgenössischen Suche in Bezug sowohl auf das musikalische als auch auf das bewegungstechnische Vokabular.



nowhere
now here

für 6 Saxophone, 9 Klarinetten und Klanginstallation


Komposition: Ye-Leen Choi

Der Maximilianische Hofkapellmeister Heinrich Isaac komponierte die sechsstimmige Motette «Virgo prudentissima» während des Reichstags in Konstanz. Die Motette wurde vermutliche 1507 uraufgeführt. Der Text wurde von Georg von Slatkonia, dem kaiserlichen Hofkapellmeister der Wiener Hofmusikkapelle, der später Bischof von Wien wurde, verfasst und enthält eine Lobpreisung auf die Jungfrau Maria und eine Fürbitte zum Schutz und zur Ehre von Kaiser Maximilian.

nowhere: Die Motette wird im Original auf die sechs Etagen des Turms von Schloss Landeck aufgefächert. In jeder Etage spielt jeweils eine Person eine Stimme der Motette, die anderen Musiker*innen umspielen und kontrapunktieren das Originalmaterial. Das Publikum wandert in diesem Klangbad die sechs Etagen nach oben bis zur siebten Etage.

now here: Hier trifft das Publikum auf sprechende Schuhe und 17 Klarinettisten. Der Turm mit seinen sieben Etagen repräsentiert den Weg von der Vergangenheit in die Gegenwart und darüber hinaus. Die Architektur spiegelt sowohl die linearen als auch vertikalen Eigenschaften der Musik wieder.



Das Narrenschiff

Puppentheater mit Hackbrett


Komposition: Yoav Chorev
Puppentheater: Aleksander Kaplun

Das Stück verbindet die gleichnamige Allegorie von Sebastian Brant aus dem 14. Jahrhundert mit dem Märchen vom Fischer und Fischlein von Alexander Sergejewitsch Puschkin. Die Geschichte spielt auf einem Schiff und zeigt eine Maximilian-Marionette als Hauptfigur in einem Disput mit sich selbst, dargestellt durch die Schiffsbesatzung auf einer Reise, die durch Latex, verschiedene Flüssigkeiten und deren Konnotationen führt.



… MIT DEM GLOCKENDON VERGESSEN?

für Blasorchester, Glockenturm und Klanginstallationen


Komposition: Jorge E. Gómez

Maximilian I. war einer der größten Kunstmäzen seiner Zeit. Er erkannte den Wert und die Wichtigkeit der Kunst und nutzte sie als politische Plattform, als Propagandamittel um seine Popularität zu steigern, seine Rolle als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu rechtfertigen und um sicherzustellen, dass sein Erbe in den kommenden Jahrhunderten erhalten bleibt.
Er begann die ehrgeizigste Werbekampagne seiner Zeit, in der er u.a. monumentale und prächtige Holzschnitte in Auftrag gab (z.B. der Triumphzug Kaiser Maximilians), in denen sein Leben, seine Abstammung, und seine militärischen Leistungen verherrlicht wurden.
Ganz im Sinne seiner eigenen Worten:

„Wer ime in seinem leben kain gedachtnus macht, der hat nach seinem tod kain gedächtnus und desselben menschen wird mit dem glockendon vergessen“.

Diese Komposition dehnt und wiederholt diese bedrohliche Glocke und vergrößert sie durch die verschiedenen Stockwerke des Turms von Schloss Landeck mit einem Blasorchester und einer Klanginstallation. Der Klang einer Glocke hat mehrere Bedeutungen: der Ruf zur Versammlung, einer Feier, einer Verherrlichung, als Zeitgeber sowie der Verkündigung unserer eigenen Sterblichkeit.



Maximilians Visionen auf seinen Reisen

für Chor, Geige, Violoncello, Schlaginstrumente, Tar und Gesang


Komposition: Danial Moazeni

Das Stück beschreibt fiktive klangliche Vorstellung, die Maximilian auf seinen Reisen gehabt haben könnte. Zum Beispiel ist überliefert, das 1465 ein starker Schneesturm stattfand, als er noch im Schloss seines Vaters lebte. Während dieses Sturmes könnte Maximilian draußen im Schlosshof gewesen sein. Ich möchte seine Visionen und Klangerlebnisse, die er vielleicht in dieser Situation durchlebt hat imaginieren. Oder die Phantasien, die er auf seinen großen Reisen in die vielen neuen Territorien (von Andalusien bis zu den Niederlanden) oder bei den ausgedehnten Jagden in der Natur hatte. Sogar im Moment seines Todes könnte er Klangvorstellungen oder Visionen gehabt haben, die ich hörbar machen möchte.



Fort:une

für 3 Frauenstimmen, Bassklarinette und Zither


Komposition: Katharina Roth

Die Musiktheater-Miniatur fort:une widmet sich Margarethe von Österreich (1480-1530), der Tochter Maximilians I. und seiner ersten Frau Maria von Burgund. Wie viele Frauen ihrer Zeit hatte Margarethe ein schweres Schicksal. Aufgrund der Habsburger Politik wurde sie bereits mit 3 Jahren das erste Mal verheiratet und aus ihrem Elternhaus gerissen. Dies blieb nicht die einzige forcierte Hochzeit. In ihrer Klageschrift (Complainte), die vermutlich an ihren Vater Maximilian I. gerichtet ist, bekommen diese Schattenseiten Ausdruck. Aus dem Gedanken des Anklagens, sich Beschwerens, entstand die Idee mit Schimpfwörtern als Textgrundlage zu arbeiten.



Das leere Grab

für 3 Trompeten, Posaune, Tuba, Harmonika, 2 Schlagzeuger, 8 Schützen, 6 Menschen und 2 Pferde


Komposition: Victor Taboada

In Mexiko gehört es zur Tradition einen „Corrido“ zu komponieren, um wichtige Menschen der Geschichte zu ehren. Inspiriert von der großen Tradition der österreichischen Blasorchester, die oft die Natur besingen, werde ich drei Lieder zu folgenden Themen komponieren: Die militärische Festung Maximilians I., seinen Tod und sein Vermächtnis, das als produktiver Übergang in die moderne Zeit betrachtet wird.

„Mexikanische Corridos sind Geschichten, die in Liedern erzählt werden. Das Wort stammt von correr, das spanische Verb bedeutet „rennen" und deutet an, dass es eine laufende Erzählung beinhaltet. Die Verwendung ist begrenzt – nicht alle Geschichten werden als corridos bezeichnet – und Liebesgeschichten sind normalerweise nicht darin enthalten. Am üblichsten sind neue Geschichten mit Ausschmückungen. Diese reichen von klassischen Nachrichten, die zu virtuellen Sagen durch Nacherzählen werden und können Berichte von alte Taten enthalten, bis hin zu den neuesten Zeitungsartikeln ... “*

*Henry Dixon Cowell (* 11. März 1897 in Menlo Park, Kalifornien; † 10. Dezember 1965 in Shady, New York) war ein US-amerikanischer Komponist irischer Herkunft.



yáo yè #6

Klanginstallation aus Lautsprechern, Tonbändern und Bildern


Komposition: Yiran Zhao

瑶 (yáo) 曳(yè) ist im Chinesischen ein sehr poetisches Wort, das an eine sanfte Schaukelbewegung denken lässt, die das Schaukeln von Gegenständen in einer leichten Brise beschreibt.
yáo yè ist eine Reihe von Installationen und/oder Performances, die mit hängenden Objekten und/oder Schaukelgeräuschen arbeiten. yáo yè #6 befasst sich mit dem unsteten Charakter von Maximilian I. – er war immer in Bewegung. Die Aspekte seiner geistigen Beweglichkeit, seines Gemütszustands und seine zahlreichen geografische Bewegungen werden untersucht, bilden das kompositorische Material und werden in Form von Klängen, Bildern und Texten dargestellt. Die Besucher können, indem sie sich selbst bewegen, von unterschiedlichen Standorten verschiedene Kombinationen erleben.



SHH I

Solo für einen Kopf


Komposition: Yiran Zhao

SHH I ist ein kurzes Stück von 3 Minuten nicht für Instrumente sondern für einen Kopf. Es wird jedes Mal nur für eine Person und auf ihrem Kopf aufgeführt. Genaue Bewegungen und Rhythmen der Berührungen sind notiert. Für den einzelne „Zuhörer“ ist es ein Privatstück, das Er oder Sie nicht nur über die Schädelresonanz hören, sondern vor allem auch fühlen kann.

Johannes Keller (Arciorgano)
Berenike Tölle (Gesang)
Julia Schnapper (Gesang)
Anna-Maria Nunzer (Gesang)
Sabrina Praßl (Bassklarinette)
Magdalena Scheck (Zither)
Corinna Denk (Hackbrett)
Mohammad Khodadadi (Ney, Percussion)
Sarvin Hazin (Kamantshe)
Anna Possarnig und Maria Shurkhal (Tanz)
Aleksander Kaplun und Seraina Keller (Puppentheater)
Kevin Wößner (Orgelpfeifen im Turm)
Stadtmusikkapelle Landeck
Landesmusikschule Landeck:
Miriam Öttl (Violine)
Marita Delago (Cello)
Birgit Hauer (Einstudierung Blockflöten und Lotosflöten)
Martin Handle mit Trommlern
Xang6521
Schützenkompanie Landeck u.a.

Mitunter kann es aufgrund beschränkter Platzkapazitäten zu Wartezeiten kommen.



Shuttle-Transfer

Zur Veranstaltung in Landeck wird ein kostengünstiger Shuttle-Transfer (Hin- und Rückfahrt) angeboten.

Pauschalpreis pro Person: EUR 15,00

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre fahren gratis!


Anmeldefrist bis zum: 14.06.2019


Zustiegsmöglichkeiten:

Ab Innsbruck

• Innsbruck: Busbahnhof Heiliggeiststraße/Spardabank
• Völs: Jet Tankstelle CYTA
• Zirl West: Spar
• Pettnau: Rasthaus Rosenberger
• Telfs: Shell Tankstelle/Umfahrung
• Ötztaler Höhe: OMV Tankstelle
• Imst: FMZ

Ab Unterland

• Kitzbühel: Bahnhof
• St.Johann: Steinlechnerplatz
• Kufstein Nord: McDonalds
• Wörgl: Salzburgerstraße Lidl/Hofer
• Rattenberg: Parkplatz West
• Wiesing: Busstop
• Schwaz: Wopfnerstraße Busterminal B/Stadtgalerien
• Wattens: ÖAMTC
• Hall: Gasthof Badl



Paketpreis für den Shuttle-Transfer mit Hin- und Rückfahrt zu allen Stationen der „Sieben Leben des Maximilian“ (20.06.–23.06. & 28.06.–30.06.2019) pro Person EUR 95,00.

Ticket-Buchung und Fragen zum Bus-Transfer:

Martina Becker
Busreisen Tirol GmbH
0043 512 24555
martina.becker@lueftner.at

Stornobedingungen:
Für die jeweilige Veranstaltung kostenlos bis zur Anmeldefrist, danach bzw. bei Nichterscheinen 100%.

Alle Preise sind inkl. Steuern und Mautgebühren. Die Reisebetreuung findet durch einen qualifizierten Busfahrer statt.

Durchführender Veranstalter / Projektleitung: Bezirksmuseumsverein Schloss Landeck /
Franz Geiger In Zusammenarbeit mit der Anton Bruckner Privatuniversität Linz /
Mit freundlicher Unterstützung des Studio 31 Basel

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